Neuzugang: Personal Computer Ibycus
Neuzugang
Spender: Nachlass Prof. Peter Pilhofer
am 13.01.2026
Inventarnummer: I2193a,b
Standort: U361.7.3
Objekt: Personal Computer Ibycus (2 Stück)
Modell: SPC100
Hersteller: Hewlett Packard Inc., Sping, Texas, USA
Baujahr: 1989
Seriennummer: 890028 (I2193a)
890047 (I2193b)
Maße: 345 x 365 x 110 (L/B/H); PC
320 x 340 x 270 (L/B/H); Monitor
455 x 220 x 35 (L/B/H); Tastatur
Gewicht: 7700 g; PC
7700 g; Monitor
2000 g; Tastatur
Kommentar:
Der Ibycus Scholarly Computer ist ein speziell angefertigter Rechner, der von David W. Packard und William Johnson entwickelt wurde, die 1985 gemeinsam ein Unternehmen gründeten und den ersten Computer entwickelten, der das Bearbeiten, Suchen und Abrufen klassischer Texte in einem vollständig integrierten Desktop-Paket ermöglichte. Er funktionierte mit den Alphabeten Latein, Griechisch, Hebräisch und Koptisch.
David W. Packard war klassischer Philologe und Sohn des Mitbegründers des Technologie und Computerunternehmens Hewlett-Packard.
Der Computer wurde bei Hewlett-Packard entwickelt und verwendete einen Motorola MC68008, der mit 8 MHz lief. Er basierte auf der 16-bit HP1000-Serie. RAM: 512 kB.
Das Mainboard Layout war eine Spezialentwicklung, ausgerichtet auf schnelle Zeichenfolgensuche.
Sein Betriebssystem war IBYX. Der Computer hatte ein 3,5-Zoll-Laufwerk, das in das Gerät eingebaut war, und wurde außerdem mit einem Sony-CD-ROM-Laufwerk geliefert.
Es war das weltweit erste nicht für Audio genutze CD-ROM Laufwerk.
Der Ibycus war kompatibel mit den Druckern Hewlett-Packard LaserJet und LaserJet Plus, Epson LQ 800/1000 und code-kompatiblen 24-Nadel-Nadeldruckern wie dem NEC P6.
Das Mainboard verfügte über 4 serielle Schnittstellen. Eine davon, ein RS-422 Channel sollte für ein geplantes 125.000 BAUD Lokales Ibycus-Netzwerk nutzbar sein.
Eine weitere Schnittstelle war für MIDI nutzbar, laut Ibycus Newsletter sollten Musikinstrumente damit angebunden werden können.
Im Gegensatz zu den meisten PCs verfügte die Ibycus-Hardware über eine Speicherschutzlogik, die verhinderte, dass Programmfehler wichtige Daten zerstören.
Das Betriebssystem und weitere Dienstprogramme sind in 8 EPROMS gespeichert, was zu einer deutlich schnelleren Reaktionszeit, einer höheren Zuverlässigkeit und der Freigabe des größten Teils des RAM-Speicherbereichs für Benutzerdaten führte.
Der grafische Datenausgabe, die auch griechische und hebräische Zeichenfolgen beinhaltete, war ein Standartmonitor mit 24 auf 80 Zeichen zu je 18 auf 16 Bildpunkten.
Der darstellbare Zeichensatz ist auf EPROM gespeichert und umfasst 4096 Character.
Der Rechner wurde speziell für die Verwendung der Thesaurus Linguae Graecae-Daten (TLG) entwickelt.
Ibycus kann eine riesige Sammlung griechischer Literatur, die jetzt archiviert ist, schneller durchsuchen als jeder andere Computer auf der Welt und dabei genau die Wörter und Sequenzen finden, nach denen er suchen soll.
Das in der Datenbank gespeicherte Material umfasst mehr als 3000 historischer griechischer Autoren die der Ibycus in 40 Minuten einlesen und verarbeiten kann.
Ein Student verbrachte etwa eine Woche in der Bibliothek, um in der griechischen Literatur nach Verweisen auf ein Wort zu suchen. Ibycus fand mehr als 1000 in weniger als 25 Minuten.
Als das Packard Institute diese Daten (TLG) mit einer großzügigen Spende von Packard selbst zur Finanzierung der Arbeitsstunden erstmals produzierte, stellte man fest, dass es keine Hardware gab, mit der sich die Daten einfach elektronisch bearbeiten ließen. Also entwickelte man sie selbst. Siehe Anhang: A
Sonderstellung: Die hebräische Version.
Das Ibycus war insofern revolutionär, als man Englisch tippen, dann eine Taste drücken und Hebräisch von rechts nach links schreiben konnte. IBM PC brauchte etwa ein Jahrzehnt, um dies nachzuholen. (Tatsächlich war die gemischte Darstellung von Englisch von links nach rechts und Hebräisch von rechts nach links erstmals auf dem Amstrad CPC-Computer verfügbar, unter Verwendung einer speziell entwickelten Software.
Zu unseren beiden Ibycus:
Leider ist kein CD-ROM Laufwerk mehr erhalten. Prof. Pilhofer hatte schon vor Serienfertigung bei Packard angefragt ob eine Lieferung des Ibycus nach Deutschland geplant ist und ob Umlaute möglich wären.
Im Februar war laut „The Ibycus Newsletter“ eine Produktion von 100 Rechnern zu einen Preis von je 3.000 Dollar angedacht.
Die Seriennummern der beiden Computer sind die 890028 und 890047, was auf das Produktionsjahr 1989 und die laufenden Produktionsnummern 28 und 47 schließen läßt.
Es ist fraglich ob mehr als die 100 erwähnten Exemplare gebaut worden sind, wenn 3 Jahre nach Produktionsbeginn die Nr. 47 ausgeliefert wurde.
Ein Zeitungsartikel aus England erwähnt, daß in England 8 Ibycus im Einsatz sind.
Der Verkauf startete im September 1986 nachdem patentrechtliche Fragen geklärt werden konnten. In diesem Monat wurden auch die zweite Charche von 25 Maschinen produziert.
Der Preis war zu diesem Zeitpunkt auf 4.000 Dollar festgelegt. Die CD mit den TLG kostete 500 Dollar.
Letztendlich konnte unser Spender seine Rechner über Aslan Ltd. In Cambridge beziehen.
Der Preis betrug etwas über 4000 Englische Pfund pro Stück, was etwa 12.000 DM entsprach.









